Waldwissen · Saison-Update
Der Oktober war mild und zum Schluss stürmisch. Für Steinpilz und Co. läuft trotzdem die letzte Runde. Wie das Wetter seit unserem letzten Ausblick war, woran du das Saisonende erkennst und welche Pilze jetzt übernehmen.
Stand 26. Oktober 2026 · Fortsetzung von „Wann endet die Pilzsaison?“ vom 10. Oktober. Grundlage sind Berichte und Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes, Studien zum Steinpilz und zur Abhängigkeit der Pilze von ihren Bäumen sowie Angaben von Pilzberatungsstellen. Ausblick bis 3. November 2026. Alle Quellen am Ende der Seite.

Wetter-Rückblick 7. bis 25. Oktober
Am 10. Oktober hatten wir hier auf den Wetterwechsel gesetzt. Die Karte zeigt, wie es weiterging: Regen und kälteste Nacht in vier Abschnitten, dazu der Ausblick. Tippe auf einen Zeitraum oder direkt auf die Karte.
Oktober 2026 im Zeitraffer: Regen
Regenmenge je Zeitraum, grob nach den Angaben des Wetterdienstes. Tippe auf die Karte für Details.
23. bis 25. Oktober
So ist die Karte gemacht. Regenmengen und Tiefstwerte je Region stammen aus Berichten und Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes, fehlende Mengen sind aus der Beschreibung grob geschätzt. Das ist keine gemessene Niederschlagskarte. Für dein Gebiet zeigt die App Regen und Temperatur der letzten 30 Tage.
Einschätzung Pilzgebiete, Stand 26.10.2026. Grundlage: DWD „Thema des Tages“ vom 06., 08. und 23.10.2026, synoptische Übersicht vom 19.10.2026, 10-Tage-Vorhersagen vom 19., 21. und 25.10.2026; Tiefstwerte vom 13.10. nach DWD-Angaben bei Berliner Zeitung; Sturm und Regen 23.–25.10. nach t-online und wetter.net mit DWD-Angaben. Kartengrundlage: Natural Earth · Darstellung: Pilzgebiete
Entscheidend ist, wo das Wasser angekommen ist. Laut einer Analyse des DWD vom 22. Oktober sind die Böden vom Rheinland über den Nordwesten bis nach Mecklenburg meist 20 bis 50 Zentimeter tief feucht. Im Süden und Osten ist es oft nur die oberste Schicht von 10 bis 20 Zentimetern, darunter liegt stellenweise bis über einen Meter tief sehr trockener Boden. Für die Pilze zählt vor allem die obere Schicht, denn dort sitzt ihr Geflecht. Die tief wurzelnden Bäume stehen dagegen weiter unter Trockenstress.
Von unserer letzten Tour
Die Fotos stammen von unseren Herbsttouren. Am 20. Oktober standen noch Maronenröhrlinge, wie der auf dem Titelbild, und Pfifferlinge. Die Landschaft am Alpenrand ist vom 22. Oktober. Die Funde fallen damit in das Fenster vom 18. bis 25. Oktober, das wir im letzten Beitrag erwartet hatten. Das ist ein Einzelbeleg, keine Bestätigung.




Das Temperaturfenster
≈ 10 °C
Bei Bielefeld kamen die meisten Steinpilze, wenn das Mittel der 20 Tage vor dem Fund zwischen 10 und 15 °C lag. Darunter blieben sie weitgehend aus. Rechnet man die Tagesspannen aus den Wetterberichten seit dem 7. Oktober um, liegt Deutschland gerade knapp über dieser Kante. Mit der aktuellen Vorhersage rutscht das Mittel um den Monatswechsel darunter, in höheren Lagen und kalten Senken früher.
Überschlagsrechnung für ganz Deutschland, keine Messreihe. Den Verlauf für dein Gebiet zeigt die App.
Das Saisonende erkennen
Ein festes Datum gibt es nicht. Aber der Wald verrät ziemlich deutlich, wann die Saison der Baumpartner vorbei ist. An jedem Zeichen steht, wie gut es belegt ist.
Das ist die Kante aus der Bielefelder Zählung. Du merkst sie an Tagen, die dauerhaft kühl bleiben, und an kalten Nächten.
Steinpilz, Marone und Pfifferling leben vom Zucker ihrer Bäume. Sind die Buchen kahl und die Lärchen gelb, kommt wenig nach. Ob das beim Steinpilz das Ende auslöst, ist nicht direkt untersucht.
Keine Röhrlinge und Pfifferlinge mehr, dafür Hallimasch und Rötelritterling: Diese Arten leben von totem Holz und Laub und haben eine längere Saison als die Baumpartner.
Ein Schub beginnt mit kleinen, festen Fruchtkörpern. Stehen gut zwei Wochen nach dem letzten ergiebigen Regen nur alte, weiche Röhrlinge, kommt kein neuer Schub.
Austernseitling und Samtfußrübling erscheinen an totem Laubholz ab Oktober, der Frostschneckling unter Kiefern meist nach den ersten Nachtfrösten.
Eine Frostnacht beendet die Saison nicht, mehrere kalte Wochen schon. In den Alpen war für die Nacht zum 24. Oktober Schnee bis auf 1.200 bis 1.500 Meter herab angesagt.
Saisonende-Check für deinen Wald
Tippe an, was du bei deiner letzten Runde beobachtet hast. Die besser belegten Zeichen zählen doppelt.
Noch spricht wenig für das Saisonende. Achte auf den nächsten ergiebigen Regen und schau rund zehn bis zwölf Tage später nach.
Gewichtung Pilzgebiete. Ein grober Anhalt, keine Vorhersage.
Warum der Baum das Ende bestimmt
250 zu 4
In einem schwedischen Kiefernwald haben Forscher die Bäume geringelt: Sie entfernten die Rinde rundum, sodass kein Zucker mehr zu den Wurzeln floss. Danach standen auf den unberührten Flächen im Mittel 250 Fruchtkörper von Mykorrhizapilzen, auf den geringelten nur 4. Die Zersetzer waren auf beiden Flächen etwa gleich häufig. Wie schnell der Nachschub ankommt, zeigt eine 2025 veröffentlichte Messung aus Finnland: Kohlenstoff aus den Kiefernnadeln steckte nach 6 bis 13 Tagen in den Fruchtkörpern von Täublingen und Milchlingen.
Ringelung nach Högberg et al. 2001, Zahlen nach der Zusammenfassung bei MykoWeb. Für den Steinpilz sind beide Werte nicht gemessen.
Was jetzt noch wächst
Während Steinpilz und Pfifferling gehen, kommen andere: die letzten Baumpartner, die Zersetzer an Holz und Laub und die Winterpilze, die erst mit der Kälte richtig loslegen.
Wann welche Art typischerweise zu finden ist
Fruchtzeit nach Fundmeldungen und Angaben von Pilzberatungsstellen, Juni bis März. Die senkrechte Linie markiert den 26. Oktober. Tippe auf einen Balken für die Quelle.
Fruchtzeiten: Steinpilz und Pfifferling nach GBIF-Fundmeldungen 2015–2025 und der Bielefelder Zählung; übrige Arten nach Pilzberatung „Der Steinpilz“ Wismar, Pilzberater Südwestsachsen und weiteren Angaben (siehe Quellen) · Darstellung: Pilzgebiete
Eine Auswahl, keine vollständige Liste. Im Spätherbst fruchten in Deutschland viel mehr Arten als hier gezeigt. Welche bei dir vorkommen, hängt von Region, Höhenlage, Baumarten und Boden ab, und die Fruchtzeiten verschieben sich von Jahr zu Jahr.
Imleria badia
Wenn im Spätherbst noch Röhrlinge stehen, sind es oft Maronen.
In der AppCraterellus tubaeformis
Einer der typischen Novemberpilze.
Hygrophorus hypothejus
Erscheint meist erst nach den ersten Nachtfrösten.
Craterellus cornucopioides
Auch Totentrompete genannt, dunkel und im Laub leicht zu übersehen.
In der AppLepista nuda
Zersetzt Laub und Nadelstreu und ist deshalb nicht auf lebende Bäume angewiesen.
Armillaria
Wächst büschelig an Stümpfen und Wurzeln.
In der AppPleurotus ostreatus
Hut 5 bis 25 Zentimeter breit, weiße Lamellen.
Flammulina velutipes
Typisch für milde Wintermonate, wächst auch bei Frost und Schnee.
Iss nie einen Pilz, den du nicht sicher bestimmt hast. Im Zweifel hilft eine Pilzsachverständige oder ein Pilzsachverständiger vor Ort weiter. Gerade im Spätherbst lohnt der Weg: Dann wächst zum Beispiel der tödlich giftige Gifthäubling an Holz, oft an denselben Stümpfen wie begehrte Holzpilze.
Deutschland: Pilzsachverständige der DGfM · Schweiz: amtliche Pilzkontrollstellen der VAPKO · Österreich: Pilzberatungsstellen der Länder und Vereine.
Pilzsachverständige in Deutschland finden
Verdacht auf Vergiftung? Bei schweren Beschwerden 112. Sonst: Giftinformationszentrum deines Bundeslandes (DE) · Vergiftungsinformationszentrale +43 1 406 43 43 (AT) · Tox Info Suisse 145 (CH). Pilzreste aufheben.
Ausblick 27. Oktober bis 3. November 2026
Am Dienstag wird es mit bis zu 21 °C im Süden noch einmal ungewöhnlich mild. Ab Mittwoch setzt sich Hochdruck durch: ruhig, oft neblig, kaum Regen. Bis zum Wochenende kühlen die Tage auf 9 bis 13 °C ab, die Nächte auf 8 bis 1 °C, mit vereinzeltem Bodenfrost in der Mitte und im Süden.
Die nächsten Tage laut Deutschem Wetterdienst
Spannen für Deutschland insgesamt. Der schwarze Strich ist das grob gemittelte Tagesmittel, die Fläche dahinter das Fenster von 10 bis 15 °C.
Deutscher Wetterdienst, 10-Tage-Vorhersage vom 25.10.2026, 17:00 Uhr; 1. bis 3. November als Trend. Tagesmittel: Mitte der Höchst- und Tiefstwerte, gemittelt · Darstellung: Pilzgebiete
Ein Schub kommt vor allem zehn bis zwölf Tage nach einem ergiebigen Regen. Für den Sturmregen vom 23. bis 25. Oktober wäre das etwa der 2. bis 6. November. Wo es bis dahin mild bleibt und der Boden tief genug nass ist, kann das noch einen kleinen Nachschub bringen.
Wo sich eine letzte Runde am ehesten lohnt
Einschätzung für Maronen, späte Steinpilze und Trompetenpfifferlinge bis etwa 8. November. Tippe auf die Karte für Details.
So ist die Karte gemacht. Für jede Region haben wir den Sturmregen vom 23. bis 25. Oktober, die Bodenfeuchte-Analyse des DWD vom 22. Oktober und die Frostgefahr der nächsten Nächte zusammengeführt. Die Ebene „Bodenfeuchte“ zeigt, wie tief die Böden vor dem Sturmregen feucht waren.
Das ist eine Einschätzung, keine Fundgarantie. Für Holz- und Winterpilze gilt sie nicht.
Einschätzung Pilzgebiete, Stand 26.10.2026. Grundlage: Bodenfeuchte-Analyse des DWD vom 22.10.2026 (wiedergegeben bei wetter.net), Regenangaben 23.–25.10.2026 wie oben, Frostangaben aus der DWD-Vorhersage vom 25.10.2026. Kartengrundlage: Natural Earth · Darstellung: Pilzgebiete
gut
Böden tief feucht, die mildesten Nächte. Die besten Chancen auf späte Maronen.
gut
30 bis 40 Liter Sturmregen auf schon feuchte Böden. Am ehesten in tieferen Lagen.
mäßig
Viel Sturmregen, aber der Unterboden ist noch trocken. Eher etwas für Spätherbst-Arten.
mäßig
Viel Regen, aber kalte Nächte und Schnee in den Bergen. Am ehesten in tiefen, geschützten Lagen.
gering bis mäßig
Wenig Regen, trockene Unterböden, Bodenfrost in klaren Nächten.
gering
Am wenigsten Regen. Ein neuer Schub ist kaum zu erwarten.
Die Hauptsaison für Steinpilz und Co. ist in den meisten Regionen vorbei. Im Nordwesten und Westen ist um den 2. bis 6. November noch ein kleiner Nachschub möglich, ein großer Schub kaum. Danach übernehmen die Spätherbst- und Winterpilze.
Fazit
Und wenn du willst, dass die App über den Winter etwas Bestimmtes dazulernt: Unter Mitgestalten stimmst du jeden Monat über die nächsten Funktionen ab.
Belege
Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden Veröffentlichungen, Datenquellen und Pilzberatungsstellen. Grafiken, Karten und Text sind eigene Darstellungen.